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Einsatzberichte

Das KIT bietet Unterstützung für Opfer, Betroffene, Hinterbliebene und Angehörige nach verschiedenen, traumatisierenden Ereignissen. Wir wollen hier kurz unsere Arbeit in Fallbeispielen in darstellen.

Reanimation oder Todesfall unter besonderen Umständen
in der Öffentlichkeit
bei Vereinsamung oder Desorientierung der Hinterbliebenen etc.

Todesfall (Exitus) einer erwachsenen Person im häuslichen Bereich mit internistischer Todesursache


Während des Frühstücks klagt eine 76jährige Frau plötzlich über Schmerzen in der Brust. Ihr 81jähriger Mann hilft ihr zur Couch, auf die sie sich legen möchte. Kurz vor der Couch bricht sie zusammen, ‘verdreht die Augen’, wie ihr Mann später berichtet und bekommt eine blaue Gesichtsfärbung.
Der Mann erfasst sofort, dass es bei seiner Frau nun um Leben und Tod geht. Nach ca. sieben Minuten trifft der Rettungsdienst ein.
Nach ca. 45 Minuten wird die Reanimation erfolglos abgebrochen. Der Mann macht einen desorientierten Eindruck. Er wirkt hilflos und weint immer wieder.
Die Betreuung von Menschen, die im häuslichen Bereich - häufig nach erfolglos verlaufenden Reanimationen - einen nahen Angehörigen oder den Lebenspartner verloren haben, stellt einen Schwerpunkt der Tätigkeit von ‘Krisenintervention im Rettungsdienst’ dar. Ziel der Betreuung ist hier in erster Linie, die Trauer der Hinterbliebenen zu stützen und zu begleiten. Dies geschieht auch durch das gemeinsame Abschiednehmen vom Toten um den Tod begreifbar zu machen. Außerdem wird gemeinsam mit dem Hinterbliebenen nach Möglichkeiten gesucht, wie das soziale Netz, z.B. die Verwandten, Freunde oder Nachbarn, unterstützend in die Situation mit einbezogen werden können. Es wäre ein Missverständnis, wenn KIT das soziale System aus seiner Verantwortlichkeit entlässt. Vielmehr besteht die Aufgabe von KIT darin, die soziale Umgebung behutsam in die Situation einzuführen und bei der Trauerbegleitung zu unterstützen. Daher können eher strenge Maßstäbe an die Indikation ‘Betreuung nach Exitus im häuslichen Bereich’ gelegt werden. Dort, wo Trauernde beim Verlust einer nahestehenden Person sich gegenseitig stützen, scheint eine Intervention von KIT nicht sinnvoll. Das Zeigen und Ausleben des Gefühles ‘Trauer’ muss nicht eine intensive Betreuung notwendig machen. Es sollte daher auf besondere soziale Umstände der Betroffenen, wie z.B. Vereinsamung, Desorientierung oder beginnende Altersdemenz, für die Indikationsstellung geachtet werden.

Massive Gewalterfahrung
Überfall (Banküberfall)
Geiselnahme
sexuelle Traumatisierung
gewalttätige Familienkonflikte etc.


Im Verlauf einer Geiselnahme in einer Bank wird eine ca. 30 Jahre alte Frau von Einsatzkräften der Polizei befreit. Nach einer kurzen Befragung und Betreuung durch die Polizei wird die Frau nach Hause zu ihrer Mutter geschickt. Dort sieht sie die Bilder der Geiselnahme im Fernsehen und realisiert die Gefahr, unter der sie stand. Sie hyperventiliert und zeigt massive psychovegetative Symptome, so dass die Mutter den Rettungsdienst ruft.
Traumatisierungen, die durch eine Gewalterfahrung verursacht werden, sind massiver und wirken nachhaltiger, als Traumatisierungen aufgrund anderer Ereignisse. Die Bedrohung der eigenen Integrität und die massive Hilflosigkeit
sowie der Verlust der Selbstbestimmung durch die Willkür und Gewalt eines anderen Menschen hinterlässt tiefe Ängste und Verunsicherung. Zu den Gewalterfahrungen zählen u. a. Vergewaltigung und andere Formen sexueller Nötigung, Raub und Geiselnahme. In diesem Aufgabengebiet von KIT ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften der Polizei die Voraussetzung einer effektiven Intervention.

Im Verlauf einer Geiselnahme in einer Bank wird eine ca. 30 Jahre alte Frau von Einsatzkräften der Polizei befreit. Nach einer kurzen Befragung und Betreuung durch die Polizei wird die Frau nach Hause zu ihrer Mutter geschickt. Dort sieht sie die Bilder der Geiselnahme im Fernsehen und realisiert die Gefahr, unter der sie stand. Sie hyperventiliert und zeigt massive psychovegetative Symptome, so dass die Mutter den Rettungsdienst ruft.Traumatisierungen, die durch eine Gewalterfahrung verursacht werden, sind massiver und wirken nachhaltiger, als Traumatisierungen aufgrund anderer Ereignisse. Die Bedrohung der eigenen Integrität und die massive Hilflosigkeit sowie der Verlust der Selbstbestimmung durch die Willkür und Gewalt eines anderen Menschen hinterlässt tiefe Ängste und Verunsicherung. Zu den Gewalterfahrungen zählen u. a. Vergewaltigung und andere Formen sexueller Nötigung, Raub und Geiselnahme. In diesem Aufgabengebiet von KIT ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften der Polizei die Voraussetzung einer effektiven Intervention.

Schwere Verkehrs-, Schienen- oder Arbeitsunfälle
Betreuung von Fahrpersonal der städt. Verkehrsbetriebe und der
Deutschen Bahn AG und anderer unmittelbar Betroffener
Person von Zug überfahren ( Person unter Zug)


Ein Mitarbeiter des KIT wird zur psychischen Betreuung zu einem Lockführer gerufen, vor dessen Zug sich ein Suizidant geworfen hatte. Am Bahnsteig wird er von einem Kollegen des Fahrers mit den Worten empfangen: „Das macht dem Fahrer nichts mehr aus, der hat das ja schon zum vierten Mal!" Der Fahrer saß auf dem Stuhl in seinem Fahrstand und schien geistig abwesend. In der Betreuung stellte sich schnell das Gegenteil dieser Einschätzung heraus: das Ausmaß des psychischen Traumas verstärkte sich massiv durch die mehrfache Wiederholung des Ereignisses. Der Fahrer wirkte zwar auf den ersten Blick relativ beherrscht (kompensiert).
Als sich der Mitarbeiter mit ihm vom Bahnsteig entfernte (um ihm den Anblick der Leichenbergung zu ersparen) und sie in einen Dienstraum gingen, wo sie unter sich waren, hätte der Kollege seine erste Einschätzung wohl schnell revidiert.
Die Erfahrung zeigt, dass vielen Menschen, die eine Betreuung oder Beistand dringend bräuchten, dies eben nicht immer deutlich anzumerken ist. Wenn jemand z.B. durch Weinen seine Empfindungen ausdrückt, wird von Einsatzkräften sehr viel eher eine Betreuungswürdigkeit des Betroffenen erkannt. Wenn der Traumatisierte - psychotraumatologisch gesehen wesentlich bedenklicher - still und in sich gekehrt wirkt, fällt er dem Einsatzpersonal nicht auf und wird übersehen, in seiner psychischen Befindlichkeit also nicht wahrgenommen. Um Aufschluss über den psychischen Zustand eines Betroffenen zu bekommen, bedarf es eines Grundwissens, etwas Erfahrung und eines zumindest kurzen, explorierenden Gespräches mit dem Betroffenen.

Die zentralen Aufgaben und Tätigkeiten der KIT-Mitarbeiter sind:

  • Einfach da zu sein, Zeit zu haben, Trauer und Schweigen zu teilen.

  • Das Schaffen einer Situation, in der sich der Betroffene sicher fühlt und in der er seinen Emotionen Raum geben kann.
  • Dem Betroffenen die Möglichkeit geben, durch wiederholtes Erzählen das, Geschehene für sich begreifbar zu machen.
  • Beim Tod eines Angehörigen dem Betroffenen die Möglichkeit geben, von dem Toten Abschied zu nehmen.
  • Dem Betroffenen die Möglichkeit schaffen sich zu orientieren, organisieren und wieder handlungsfähig zu werden.
  • Den Betroffenen mit den gewünschten und sinnvollen Informationen zu versorgen.
  • Zusammen mit dem Betroffenen das soziale Umfeld (Freunde, Verwandte, Nachbarn usw.) zu aktivieren.
  • Den Betroffenen und die Situation einzuschätzen, um ihn bei Bedarf sofort an eine geeignete Einrichtung vermitteln zu können.
  • Dem Betroffenen auf seine Situation zugeschnittene Einrichtung für die weitere Betreuung zu empfehlen.
  • Den Betroffenen aufzuklären über die möglichen Folgen, die dieses Ereignis für ihn haben kann.
  • Zu gehen, wenn das soziale Umfeld oder eine Einrichtung die Betreuung übernommen hat und sicher ist, dass dies für die nächste Zeit funktioniert.

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Publiziert am: Montag, 24. September 2007 (6086 mal gelesen)
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