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Mitarbeiter und Mitarbeit im KIT

Die Voraussetzungen für die ehrenamtliche Mitarbeit im KIT sind eine mindestens fünfjährige Erfahrung im Rettungsdienst und eine abgeschlossene Ausbildung als Rettungssanitäter oder Rettungsassistent. Für Angehörige der Freiwilligen- oder der Berufsfeuerwehr gilt: abgeschlossene Ausbildung zum Rettungsdiensthelfer, sowie Dienstgrad. Das Eintrittsalter sollte mindestens über 25 Jahren liegen. Über Ausnahmen wird im Einzelfall entschieden. Aufgrund des Legalitätsprinzips haben wir keine Polizisten im Team. Die Kollegen der Polizei könnten in der Betreuung mit einem moralischen und rechtlichen Problem konfrontiert sein. Der Polizist muss gemäß dem Legalitätsprinzip tätig werden, wenn er von schweren Vergehen oder Straftaten z.B. bei der Betreuung eines Beteiligten bei einem Verkehrsunfall Kenntnis erhält.

Da der Betroffene nicht unterscheiden könnte in welcher Rolle sich der Betreuer, der im normalen Berufsleben Polizist ist, befindet, gibt es derzeit keine Polizeibeamten im aktiven KIT-Dienst. Die Rechtsauffassung zu diesem Thema ist durchaus umstritten. Auch sind in der Praxis Fälle, bei denen das Legalitätsprinzip greifen und zu einem Problem werden würde, sehr selten. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus folgenden Organisationen und Einrichtungen: Arbeiter-Samariter-Bund ASB, Bayerisches Rotes Kreuz BRK, Berufsfeuerwehr München BF, Freiwillige Feuerwehren München FFW, Johanniter JUH, Malteser MHD, Bundeswehr, Bergwacht Bayern, THW, Private Rettungsdienstfirmen.

Nach einer schriftlichen Bewerbung mit polizeilichem Führungszeugnis und einem Informationsgespräch zur Tätigkeit im KIT wird der Bewerber zu einem Aufnahmegespräch eingeladen. In dem standardisierten Aufnahmengespräch werden unter anderem auf die zu erwartenden Anforderungen und Belastungen des KIT-Einsatzes eingegangen, die Erwartungen von beiden Seiten und das soziale Umfeld des Bewerbers.

Das Gespräch wird von einem Mitglied des Teams und einem Mitglied der Leitung geführt. In der Regel dauern diese Gespräche eine Stunde. Bekommt der Bewerber am nächsten Tag die Zusage durch die Leitung und ist auch dieser immer noch interessiert, folgt eine min. 80-stündige Ausbildung in folgenden Themenbereichen: Psychotraumatologie, Stress, Peritraumatologie, Krise, Trauerreaktion, Grenzen der Arbeit, andere Einrichtungen mit ähnlichen Arbeitaufträgen, psychosoziale Einrichtungen, Einsatztaktik, andere BOS-Dienste, SbE, CISM, Weltreligionen und Kulturen, sterben, Tod und Trauer, Suizid und Suizidalität, psychiatrische Krankheitsbilder (zur Abgrenzung), Grundlagen der Kommunikation und Gesprächführung, rechtliche Aspekte wie Schweigepflicht oder Zeugnisverweigerungsrecht, Instruktionen über organisatorische Fragen, Ablauf einer Betreuung, besondere Zielgruppen wie Kinder oder Senioren, Umgang mit schwierigen Situationen z.B. Aggressivität, Rollenspiele zu den Einsatzindikationen, eigene Psychohygiene, Selbstwahrnehmung, Leichenschau, Obduktion und vieles mehr. Eine zentrale Unterrichtsmethode ist das Rollenspiel.

Weiter wird auf Besonderheiten bestimmter Betreuungssituationen eingegangen z. B. Betreuung von Eltern nach Tod eines Kindes, Hinterbliebene nach Suizid, Überbringen von Todesnachrichten, Gewalterfahrung. Für die neuen Mitarbeiter im KIT folgt im Anschluss daran der Praktikantentag. Hier geht es um die Besonderheiten im KIT München, Besonderheiten des Einsatzbereichs München, Einführung in das Mitarbeiterhandbuch und Telefonbuch, kennen lernen der Räumlichkeiten und der Funktionsträger des ASB München und vieles mehr. Im Anschluss an den Seminarteil der Ausbildung folgt die Integration in das Team durch Besuch der Supervision sowie das Praktikum bei erfahrenen KIT-Mitarbeitern im Einsatzdiesnt.

Der Besuch und das Kennen lernen von Institutionen wie z.B. Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen, klinische Einrichtungen und von Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten wie z. B. verschiedene Dienststellen der Polizei, die Verkehrsbetriebe, die Feuerwehren, ergänzen die Ausbildung. Das Praktikum muss in einem Ausbildungsheft dokumentiert werden. Die Praktikanten müssen bestimmte Einsatzindikationen z.B. Betroffene nach Suizid, Tod im häuslichen Bereich, Überbringen einer Todesnachricht, Person unter Zug, schwerer Verkehrsunfall, begeleitet bzw. abgearbeitet haben, um zum Abschlussgespräch zugelassen werden zu können. Das Abschlussgespräch führen ein KIT-Kollege aus dem Team zusammen mit einem Mitglied der KIT-Leitung. Der Kollege aus dem Team ist Idealerweise auch der spätere Mentor. Vor dem Abschlussgespräch werden alle Praxisanleiter über den Praktikanten befragt und geben ihr Votum ab. Auch wird überprüft, ob alle Voraussetzungen z.B. Pflichtindikationen, erfüllt sind. Im Abschlussgespräch geht es um die Auswertung der Einsätze, der Eintragungen und Berichte im Praktikantenheft, den erlebten Problemen und Grenzen, auch der eigenen.

Nach erfolgreichem Abschlussgespräch wählt sich, der dann ehemalige Praktikant, einen Mentor aus den Kollegen mit denen er gefahren ist. Sollte es in einem Einsatz Probleme geben, Fragen auftauchen die unmittelbar geklärt werden müssen, oder der neue Kollege einfach jemanden zu reden braucht, steht der Mentor ihm zur Verfügung, fährt unter Umständen auch zum laufenden Einsatz hinzu. Diese Mentorenphase ist zeitliche nicht begrenzt und endet mit der immer weiter fortschreitenden Integration in die Gruppe der KIT-Mitarbeiter. Das weiteren hat jeder Mitarbeiter im KIT die Möglichkeit über eine spezielle Telefonnummer den diensthabenden Leiter PSU bzw. Bereitschaftskoordinator BKO zu erreichen. Dieser Dienst wird rund um die Uhr von speziell geschulten und langjährigen Mitarbeitern des KIT-München geleistet.

Die Ausbildung im KIT dauert so zwischen 12 16 Monaten. Die Ausbildungsdauer ist sehr individuell und hängt von den verschiedensten Faktoren ab. Kein Mitarbeiter soll dazu gedrängt werden schnell selbstständig zu fahren wenn er sich dazu nicht bereit fühlt. Im weiteren Verlauf erfolgt parallel zum Dienst eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung. Durch Vorträge von Fachreferenten soll theoretisches und praktisches Wissen vertieft werden. Klausurtage stärken den Zusammenhalt des Teams, tragen zur Verarbeitung des Erlebten bei und dienen der Erweiterung der eigenen Fähigkeiten.

Die Mitarbeiter von KIT haben in der Regel keine psychotherapeutische Ausbildung. Sie wäre die Voraussetzung für eine mittel- oder längerfristige Begleitung von Trauernden oder psychisch schwer traumatisierten Menschen. Daher stehen wir in der Regel nicht für Kontakte über die erste Krisenintervention hinaus zur Verfügung, sondern verweisen an entsprechende Einrichtungen im psychosozialen Bereich.

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Publiziert am: Donnerstag, 05. April 2007 (9714 mal gelesen)
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